Glasfaser für Korschenbroich-Pesch

Muss ich im Haus etwas machen?

Kommt drauf an

War schon klar, dass es darauf keine einfache Antwort gibt, oder? Jedes Haus ist anders, und an Kabel für das Internet hat vor mehr als 20 Jahren noch niemand gedacht. Stattdessen sind die Techniken der Zeit eingebaut worden: Telefon und Antennenanlagen bzw. später Kabelfernsehen. Seit einiger Zeit werden beim Bauen und Renovieren Kabelrohre verlegt, durch die alte Kabel ersetzt oder um neue ergänzt werden können. Wenn schon ein geeigneter Weg mit ausreichend Platz vorhanden ist, verlegt die von der Deutschen Glasfaser beauftragte Installationsfirma das Glasfaserkabel kostenlos bis in die Wohnung und Sie müssen vielleicht gar nichts im Haus machen. In älteren Häusern, die beim Bau noch nicht mit so praktischen Möglichkeiten zur nachträglichen Kabelverlegung ausgestattet wurden, existieren oft stillgelegte Kaminschächte, die als Kabelautobahn verwendet werden können und für die Verlegung am Anschlusstag leicht vorbereitet werden können. Die Details besprechen Sie bei der Hausbegehung mit dem Techniker. Eine Führung durch ein Schutzrohr an der Außenwand ist ebenfalls möglich. Und wenn das alles nicht geht oder die Vorbereitung zu teuer ist, dann gibt es auch mehrere Wege, die ohne neue Kabel auskommen. Mit einem Zweidraht-Modempaar (siehe unten) gibt es auch eine Lösung, die praktisch überall einsetzbar ist, wo bisher der Internetzugang über die Telefonleitung kam.

Wie das Datennetzwerk vom Keller oder Hausanschlussraum ins Wohnzimmer, Arbeitszimmer und überall sonst hin kommt, ist also eine ziemlich individuelle Frage. Hier versuche ich, die verschiedenen Möglichkeiten aufzulisten und die Vor- und Nachteile zu erklären, um Ihnen bei der Vorauswahl zu helfen, welche Lösung für Sie in Frage kommt. Ich garantiere nicht, dass die dargestellten Technologien in Ihrem Haus einsetzbar sind. Lassen Sie sich vor einer Kaufentscheidung zusätzlich im Fachhandel und von der Deutschen Glasfaser beraten.

Die Anforderungen

Insgesamt müssen mindestens drei Geräte installiert und verbunden werden: Der Hausübergabepunkt (HÜP), der Netzwerkabschluss (NT) und der Router. Wenn Sie über den neuen Anschluss auch fernsehen möchten, kommt noch je eine Set-Top-Box pro Fernseher hinzu.

Der Hausübergabepunkt wird immer direkt neben der Stelle montiert, wo das Glasfaserkabel ins Haus kommt. Der HÜP ist nur eine "Glasfasersteckdose" und benötigt keinen Stromanschluss. Im Normalfall wird der HÜP im Keller oder im Hausanschlussraum installiert. Wenn das nicht möglich ist, kann das Kabel auch in einem Schutzrohr außen bis zum Einführungspunkt in einem anderen Raum geführt werden, wo dann der HÜP montiert wird.

Der NT wird fest montiert und ist mit dem HÜP über ein gestecktes Glasfaserkabel verbunden. Diese Verbindung kann nicht durch etwas anderes ersetzt werden. Es muss also einen Weg vom HÜP zum NT geben, der für die Verlegung des Glasfaserkabels vorbereitet ist. Im Idealfall wird der NT so in der Wohnung installiert, dass eine Verbindung zum Router mit einem Netzwerkkabel möglich ist. Besonders in Mehrfamilienhäusern sollten die Netzabschlüsse der einzelnen Teilnehmer nicht im Keller installiert werden. Prinzipiell ist das aber auch möglich und kann abhängig von der vorhandenen Verkabelung sinnvoll sein. Wenn es gar keine Möglichkeit gibt, ein Glasfaserkabel weiter zu verlegen, dann wird der NT direkt neben dem HÜP montiert. Der NT benötigt einen Stromanschluss.

Der Router benötigt ebenfalls einen Stromanschluss. Er ist mit dem NT im Idealfall über ein Gigabit-Ethernetkabel (für 1000BASE-T) verbunden. Das ist ein 8-adriges Kabel, das mindestens der Spezifikation Cat5e genügt und maximal 100m lang sein darf. Auf nicht allzu langen Distanzen reicht auch Cat5 (ohne e). Es ist fast immer egal, ob das Kabel abgeschirmt ist (STP, S/FTP) oder nicht (UTP). Auch der Kabelquerschnitt spielt keine Rolle (AWG, größerer Wert ist dünneres Material). Bei neu gekauften Netzwerkkabeln ist Cat5e oder höher praktisch immer gegeben. Wenn eine Hausverkabelung mit 8-adrigen Kabeln vorhanden ist, muss überprüft werden, ob es sich evtl. um Cat3 Kabel handelt, die für diesen Zweck nicht geeignet sind. Die Kategorie ist üblicherweise in regelmäßigen Abständen auf dem Kabelmantel aufgedruckt.

Die Verbindung zwischen NT und Router ist ein Gigabit-Ethernet. Anstelle eines Netzwerkkabels können deshalb im Prinzip alle Übertragungstechniken eingesetzt werden, die Geräte dieses Standards verbinden. Die beste Geschwindigkeit und Qualität bietet jedoch ein Netzwerkkabel. Alles was hier für die Verbindung zwischen NT und Router steht, gilt auch für die Verbindungen zwischen dem Router und daran angeschlossenen Netzwerkgeräten.

Die Set-Top-Box wird mit dem Fernseher und dem Router verbunden. Zum Fernseher werden Bild und Ton über ein HDMI-Kabel übertragen. Die Verbindung zum Router wird idealerweise über ein Netzwerkkabel hergestellt. Wie bei anderen Ethernetverbindungen können alternative Übertragungstechniken eingesetzt werden, z.B. Powerline-Modems. Die Set-Top-Box kann auch per WLAN mit dem Router verbunden werden. Es ist aber auf ausreichende Bandbreite und eine ungestörte Übertragung zu achten, um Aussetzer beim Fernsehen zu vermeiden.

Die reine Lehre

Die optimale Situation sieht so aus: HÜP neben der Hauseinführung, vorhandener Kabelweg mit genug Platz und ausreichenden Biegeradien für zuglastfreie Verlegung eines Glasfaserkabels vom HÜP zu der Stelle in der Wohnung, wo der NT installiert werden soll, von dort ein Netzwerkkabel zum Router, Computer und TV Set-Top-Boxen per Netzwerkkabel mit dem Router verbunden, analoge Telefone (bzw. DECT Basisstation) per Telefonkabel mit RJ11-Stecker am Router angeschlossen, mobile Geräte per WLAN mit dem Router verbunden. Nach den Vorgaben von Deutsche Glasfaser dürfen in den Rohren für das Glasfaserkabel keine anderen Kabel liegen.

Die meisten Hausinstallationen dürften mehr oder weniger von dieser Idealkonstellation abweichen. Das ist aber kein unlösbares Problem. Wenn die Deutsche Glasfaser nur Kunden mit derart ausgestatteten Häusern hätte, würde wohl höchstens in Neubaugebieten die 40% Quote erreicht. Trotzdem ist es eine Überlegung wert, die Kabelwege herzustellen, denn die Anforderungen an die Netzwerkinfrastruktur im Haus werden in Zukunft sicher nicht kleiner.

Abweichend von der reinen Lehre möchten Sie vielleicht den NT nicht in der Wohnung installieren, weil sich einfach kein Kabelweg vom Keller oder Hausanschlussraum in die Wohnung findet, der für eine zuglastfreie Verlegung des Glasfaserkabels geeignet ist, und eine Zuführung auf der Fassade aus ästhetischen Gründen ausscheidet. Wenn Sie dann neben dem HÜP und dem NT auch den Router im Keller installieren, müssen alle Ihre Geräte in der Wohnung mit dem Router im Keller verbunden werden. Das kann sinnvoll sein, wenn zumindest Teile der Infrastruktur in Ihrem Haus auf einen zentralen Anschluss im Keller ausgerichtet sind. Ohne eine solche Infrastruktur machen Sie sich damit aber mehr Arbeit als nötig. Statt vieler Verbindungen reicht eine, nämlich vom NT zum Router, der dann wie üblich in der Wohnung positioniert werden kann, wo Sie wie gewohnt PCs, Laptops, Spielekonsolen, etc. anschließen.

Die Verbindung zwischen NT und Router kann über ein Ethernetkabel oder alternative Übertragungstechnik hergestellt werden. Auch wenn Sie keinen Weg bereitstellen können, der den Ansprüchen der DG für ihr Glasfaserkabel genügt, finden Sie vielleicht Platz für ein Cat5e Kabel, oder es ist schon ein solches Kabel vorhanden. Diese wurden teilweise verwendet, um ISDN-Dosen anzuschließen. Selbst für einfache TAE-Telefonsteckdosen werden seit einigen Jahren häufig Cat5e Kabel (oder besser) verwendet, weil diese Kabel inzwischen nicht oder kaum mehr als designierte Telefonkabel kosten.

Wenn alles nichts hilft, muss die bestehende Verkabelung für die Datenübertragung fit gemacht werden. Dazu gibt es einige Möglichkeiten, die aber einen gewissen technischen Aufwand erfordern. Der hat seinen Preis, der neben den Vor- und Nachteilen im nächsten Abschnitt aufgelistet wird. Denken Sie im Vergleich nochmal darüber nach, ob Sie nicht doch lieber einen neuen Kabelweg vorbereiten (lassen).

Alternative Übertragungstechnik

Powerline-Modems (DLAN, PowerLAN) verwenden das Stromnetz für die Datenübertragung. Ähnlich wie bei WLAN unterscheidet sich die beworbene Bruttodatenrate stark von der praktisch erreichbaren Übertragungsgeschwindigkeit. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass immer nur ein Gerät gleichzeitig senden kann, die verfügbare Bandbreite also von allen Geräten geteilt wird. Die Übertragung mit Powerline-Modems ist empfindlich gegenüber Störeinflüssen, die von ganz unscheinbaren Elektrogeräten ausgehen können. So kann ein neues und sonst unauffälliges Steckernetzteil irgendwo im Haus die Übertragung stark stören und zu einer langwierigen Suche nach der Ursache führen, wenn der Zusammenhang nicht direkt bemerkt wird.

Ein weiterer Aspekt, der bei dieser Übertragungstechnik zu beachten ist, ist das Drei-Phasen-Stromnetz: Die besten Ergebnisse sind zu erzielen, wenn die Geräte an der selben "Phase" angeschlossen sind. Welche Steckdosen im Haus dafür in Frage kommen, kann oft nur ausprobiert werden. Es ist insgesamt schlecht vorhersagbar, welche Geschwindigkeiten in einer bestimmten Situation zu erwarten sind. Im allgemeinen ist deshalb eine deutliche Überdimensionierung zu empfehlen, und vor dem Kauf sollte wenn möglich mit Leihgeräten die Funktions- und Leistungsfähigkeit getestet werden. Wegen der einfachen Einsetzbarkeit und der weiten Verbreitung sind diese Modems im Vergleich zu den anderen Techniken aber vergleichsweise günstig: Ein Set aus zwei Modems mit einer Bruttodatenrate von 1200Mbps kostet z.Z. ca. 85 Euro.

Zweidrahtleitungen ohne Abschirmung, auch als Telefonleitungen bekannt, sind nur mit aufwendiger Technik überhaupt für die Übertragung von Daten mit hoher Geschwindigkeit einsetzbar. Leider reicht es nicht, zwei normale günstige VDSL2 Modems zusammenzuschließen, da diese nicht für den Master-Slave-Betrieb geeignet sind. Zwei VDSL2 Modems, die Master-Slave-fähig sind, also zusammen eine Übertragungsstrecke aufbauen können, kosten z.Z. insgesamt ab ca. 200 Euro (Preisvergleich für ein Beispielgerät in der Quellenliste weiter unten, es werden zwei benötigt). Mit diesen Modems sind höchstens 100Mbit/s erreichbar, was aber gerade für den einfachen Glasfasertarif ausreicht. Der große Vorteil dieser Lösung ist, dass sie praktisch überall einsetzbar ist, wo bisher der Internetanschluss über die Telefonleitung hergestellt wurde, denn für die Übertragung kann dann die Telefonleitung vom Keller zum bisherigen Routerstandort verwendet werden. Aufgrund der geringen Leitungslänge im Haus funktioniert das mit vergleichsweise hoher Geschwindigkeit. Damit können Sie die Verlegung neuer Kabel auf die nächste Renovierung verschieben und trotzdem schon den Glasfaseranschluss bekommen und nutzen.

Seit kurzem ist eine weitere Lösung für Zweidrahtleitungen erhältlich. Mit G.HN Modems sind über die kurzen Telefonkabel im Haus mehrere hundert Megabit/s möglich. Auch diese neueren Modems sind im Paar für etwas mehr als 200 Euro zu haben. Eine Preisvergleichsseite mit Angabe von Bezugsquellen ist unten verlinkt. Vom Einsatz dieser Modems ist dann abzuraten, wenn über das selbe Kabelbündel auch VDSL-Signale übertragen werden, z.B. in einem Mehrparteienhaus, in dem andere Bewohner noch VDSL-Anschlüsse nutzen. G.HN und VDSL-Signale auf dicht nebeneinander liegenden Leitungen können sich gegenseitig stören.

Koaxialkabel (Satellitenanschluss, Kabelfernsehen, Antennenanlage) können als Medium für Modems nach den HomeplugAV Standards verwendet werden. Geräte nach IEEE1901 haben eine Bruttodatenraten von 500Mbit/s, von denen wegen der besseren Übertragungseigenschaften im Vergleich zu Powerline-Modems ein höherer Anteil tatsächlich nutzbar ist. Diese Technik ist weniger störanfällig, aber wegen der geringeren Verbreitung auch teurer. Ein Set bestehend aus zwei Modems z.B. von Axing kostet z.Z. ca. 250 Euro. Das Koaxialkabelnetz kann gleichzeitig für die Fernsehübertragung z.B. von einer Satellitenantenne verwendet werden. Die Modems verwenden für die Übertragung den Frequenzbereich, der als Rückkanal in Breitbandnetzen reserviert ist. Unter Umständen müssen die Antennendosen gegen rückkanalfähige Dosen ausgetauscht werden. Lassen Sie die Installation von einem Fachmann durchführen, wenn Sie derartige Modems in Verbindung mit einem Breitbandkabelanschluss verwenden möchten. Es ist ein Rückkanalfilter erforderlich.

Diese Technik hat den Vorteil, dass das Koaxialnetz im Haus alle Fernseher erreicht, so dass dort ein Anschluss für die Set-Top-Boxen bereitgestellt werden kann. Dann ist aber für jede Set-Top-Box ein weiteres Modem erforderlich.

WLAN braucht gar keine Kabel, aber das Signal durchdringt massives Material kaum. Deshalb eignet sich WLAN eher für die Übertragung innerhalb eines Raumes oder durch Leichtbauwände hindurch. Wenn der Router geeignet positioniert wird, kann es trotzdem ausreichen, Set-Top-Boxen über WLAN zu verbinden, besonders wenn Nachbarn weit genug weg sind und das WLAN sonst nicht intensiv genutzt wird. Die volle Leistung des Glasfaseranschlusses ist so trotzdem wahrscheinlich nicht nutzbar. Weitere Störeinflüsse können von Geräten ausgehen, die ebenfalls das 2,4GHz ISM Frequenzband verwenden, z.B. Babyfons und drahtlose Türfreisprechsysteme.

Quellen und weiterführende Informationen