Glasfaser für Korschenbroich-Pesch

Ganz kurz: Soll ich?

Ganz kurz: Ja!

Glasfaser bis ins Haus, auch FTTH (Fiber To The Home) genannt, ist eine Technologie, die die bisherigen Telefonnetze auf der Basis von Kupferleitungen ablösen wird. Schon heute besteht das Telefonnetz fast vollständig aus Glasfaserverbindungen. Nur die sogenannte letzte Meile, also das letzte Stück bis zum Hausanschluss, besteht überwiegend noch aus Kupferleitungen. Dabei rückt die Übertragungstechnik immer näher an die Haushalte heran, weil die Nachfrage nach höherer Geschwindigkeit mit Kupferleitungen anders nicht zu bedienen ist. Während die Deutsche Telekom mit VDSL und Vectoring noch einen viel kritisierten Zwischenschritt zwischen herkömmlichen DSL-Anschlüssen und FTTH macht, baut das Unternehmen Deutsche Glasfaser bereits heute ein Netz, das leistungsfähiger als VDSL ist und auch zukünftigen Anforderungen ohne weitere Bauarbeiten gerecht wird.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Die Glasfasertarife sind für die Kunden nicht oder kaum teurer als VDSL-Tarife. In jedem Fall bekommt der Kunde mit dem Glasfaseranschluss aber eine weitere Auswahlmöglichkeit ins Haus, denn die bestehenden Anschlüsse werden nicht entfernt. Der Telefonanschluss kann genauso wie ein ggf. vorhandener Kabelfernsehanschluss jederzeit wieder als Internet-, Telefon- und Fernsehanschluss reaktiviert werden und wenn gewünscht auch gleichzeitig betrieben werden. Umgekehrt bleibt auch der Glasfaseranschluss im Haus, wenn sich der Kunde nach der Mindestvertragslaufzeit wieder für einen DSL- oder Kabel-Internetvertrag entscheidet.

Konkurrenz belebt nicht nur das Geschäft, sondern hält auch die Preise niedrig. Unitymedia hat z.B. in kurzer Folge mehrere Preiserhöhungen in NRW durchgesetzt. Wenn mehr Kunden nicht nur die Auswahl zwischen langsamem DSL und Internet per Fernsehkabel hätten, wären solche Erhöhungen schwerer durchzusetzen. Jedenfalls können Kunden mit mehr Auswahl den Anbieter wechseln.

Teile von Korschenbroich waren weit über ein Jahrzehnt nur mit äußerst spärlichen Internetgeschwindigkeiten versorgt, hatten oft nur einen Internetanbieter zur "Auswahl" und mussten trotzdem den vollen Preis für eine Geschwindigkeit bezahlen, die die Anschlüsse nie erreichten. Diese Zustände sind auch wegen des Markteintritts der Deutschen Glasfaser im Moment vorbei. In auffallender Zeitgleichheit hat die Deutsche Telekom mit der Aufrüstung ihres Netzes begonnen. Dennoch besteht die Gefahr, dass Ortsteile, die jetzt den Glasfaseranschluss verpassen, in wenigen Jahren in einer vergleichbar schlechten Situation sind: Ohne den wirtschaftlichen Druck eines Konkurrenten besteht kein Grund mehr für weiteren Ausbau der Kapazitäten im Telefonnetz. Die VDSL-Vectoring Technologie wird von der Deutschen Telekom nach Ansicht zahlreicher Kritiker auch zur Verdrängung von Konkurrenten genutzt, die dadurch auf teurere Vorleistungen zurückgreifen müssen. Außerdem ist ein späterer Ausbau des FTTH Netzes höchst unwahrscheinlich, wenn er nicht jetzt in der Nachfragebündelung gelingt.

Glasfaser ist besser

In späteren Kapiteln wird noch ausführlich dargestellt warum, aber kurz gesagt ist FTTH einfach besser als VDSL und auch besser als Internet über das Fernsehkabel. Das weiß auch die Deutsche Telekom und bietet FTTH als "absolutes Premium-Angebot" unter dem Produktnamen "Mehr Breitband für mich" an. Dafür legt die Telekom allerdings die Ausbaukosten auf den Kunden um. Schon für den Kostenvoranschlag verlangt die Telekom eine Bearbeitungsgebühr von 100 Euro. Berichten zufolge werden für Tiefbauarbeiten meist 50-100 Euro pro laufendem Meter veranschlagt. Wer jetzt das Metermaß vom Haus bis zum Bürgersteig zieht, ist zu optimistisch: Der nächste Anschlusspunkt ist in der Mehrheit der Fälle viel weiter entfernt. Entsprechend teuer würde so ein Anschluss. Der stellvertretende Chefredakteur der Computerzeitschrift c't hat für sein Haus in Hannover ein Anschlussangebot eingeholt. Der Link zu seinem Youtube-Video, in dem er seine Erfahrungen mit dem Telekom-Produkt beschreibt, ist in der Liste am Ende dieser Seite. Im Vergleich dazu ist der FTTH Anschluss der Deutschen Glasfaser in der Nachfragebündelung kostenlos. Es muss lediglich ein Zwei-Jahres-Vertrag abgeschlossen werden, dessen Kosten aber den Vergleich mit VDSL Tarifen nicht scheuen müssen, wie später noch detailliert gezeigt wird.

Achten Sie mal darauf, wie oft Deutsche Telekom und Unitymedia in Werbematerialien und Äußerungen in der Presse das Wort Glasfaser verwenden, obwohl beide Unternehmen tatsächlich fast überall Kupferkabel auf der "letzten Meile" einsetzen. Dass Glasfasern im übrigen Netz verwendet werden, ist wie schon gesagt eigentlich nicht erwähnenswert, weil das schon lange der Stand der Technik ist.

Für Geschäftskunden bietet das Unternehmen 1&1 Versatel seit kurzem ebenfalls FTTH-Anschlüsse an. Allerdings kostet dort der Hausanschluss pauschal 1960 Euro, plus einen Aufpreis von 5000 Euro wenn der Anschlussort weiter als 250m Leitungslänge von der nächsten Glasfasertrasse entfernt ist. Weiter als 500m von der nächsten Glasfasertrasse wird das Produkt erst gar nicht angeboten. Nach dem ersten Jahr verlangt 1&1 Versatel für 500Mbit/s Download und 100Mbit/s Upload 299 Euro monatlich (bzw. 499 Euro für die doppelte Geschwindigkeit). Die genannten Preise sind netto zzgl. Mehrwertsteuer. 1&1 bietet auch VDSL-Internetzugänge an und hält Glasfaser offensichtlich für so viel besser, dass diese Preise gerechtfertigt sind. In Korschenbroich muss es nicht zu solchen Preisen kommen: Wenn mindestens 40% der Haushalte einen Anschluss bei der Deutschen Glasfaser beantragen, ist der Anschluss in der Nachfragebündelung kostenlos, und auch die monatlichen Gebühren sind eher wie man es von einem DSL Anschluss gewohnt ist.

Alle machen Dreck

Durch Verzicht auf den Glasfaseranschluss wird nicht verhindert, dass die Stadt "umgegraben" wird. Wie schon erwähnt überbaut die Telekom zur Zeit Teile des Telefonnetzes in Korschenbroich mit Glasfaser, um VDSL anbieten zu können. Dabei werden neue Leerrohre bzw. Kabel zwischen den Verteilerkästen gezogen. Genau wie die Deutsche Glasfaser beauftragt die Deutsche Telekom Subunternehmer mit den Tiefbauarbeiten. Diese Arbeiten kann die Stadt Korschenbroich ebensowenig untersagen wie den Aufbau von "Outdoor-DSLAMs" der Telekom. Diese Geräteschränke sehen ähnlich aus wie die Kabelverzweiger des herkömmlichen Telefonnetzes, sind aber viel größer und enthalten die VDSL Übertragungstechnik, die Strom verbraucht und mit Lüftern gekühlt wird. Im Vergleich dazu versorgt das Netz der Deutschen Glasfaser die Kunden von einem Punkt im Ort aus. Weitere Schränke im Stadtgebiet sind nicht nötig.

Der Telefonanschluss ist (fast) nicht zu retten

Falls Sie bei ihrem Telefonanbieter bleiben wollen, um ihren herkömmlichen Telefonanschluss behalten zu können, wird das nicht gelingen: Erstens werden VDSL-Anschlüsse nur mit IP-Telefonie vermarktet (VoIP, Voice over IP, Internettelefonie). Das liegt daran, dass Ihre Telefonleitung bei VDSL in einem der grauen Kästen an der Straße endet. Dort befindet sich aber nur Technik für den Internetzugang. Zweitens plant die Deutsche Telekom, das herkömmliche Telefonnetz bis 2018 durch ein All-IP Netz zu ersetzen. Dabei werden alle Anschlüsse mit DSL von Analog bzw. ISDN Telefonanschlüssen auf VoIP-Anschlüsse umgestellt. Die Telekom wird dazu bestehende Verträge kündigen und zum Abschluss neuer Verträge mit VoIP auffordern. Eine Ausnahme gibt es nur für reine analoge Telefonanschlüsse ohne Internetzugang: Für diese wird die VoIP Technik in der Vermittlungsstelle installiert. Diese Anschlüsse werden sich aus Kundensicht weiter wie analoge Anschlüsse verhalten, auch wenn dahinter wie bei allen anderen Anschlüssen ab 2018 VoIP Technik steckt.

Mehr Wert

Für Eigenheimbesitzer und Wohnungseigentümer ist ein Glasfaseranschluss im Haus ein Plus, das Mietern und Käufern einen Aufpreis wert ist. Die Deutsche Glasfaser gibt an, dass einem Sparkassengutachten zufolge ein Haus durch einen FTTH Anschluss im Durchschnitt um ca. 3000 Euro aufwertet. Bei der Suche nach Mietern sind Wohnungen mit FTTH ebenfalls im Vorteil. Für Menschen, die ihre Büroarbeit ganz oder teilweise von zu Hause erledigen, ist das Fehlen von schnellem Internet ein klares Ausschlusskriterium. Auch sonst legen immer mehr Menschen großen Wert auf einen schnellen Internetanschluss.

Über den Tellerrand

Es gibt einige Orte in Deutschland, die von allen Internetprovidern im Stich gelassen wurden und ihre Internetversorgung daher in den letzten Jahren selbst in die Hand genommen haben, um weiter für Familien und Unternehmen attraktiv zu sein. Diese Orte entscheiden sich durchgängig für eine Ausführung mit Glasfaseranschlüssen bis ins Haus (FTTH, Fiber To The Home), weil diese Technik langfristig das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis hat.

Insgesamt hat Deutschland bei FTTH Anschlüssen erheblichen Nachholbedarf. Schon der Europäische Vergleich ist erschreckend: Während in Schweden, Norwegen, Dänemark, den Niederlanden, Spanien, Finnland, Frankreich, der Schweiz und einigen anderen Europäischen Ländern bereits zwischen 5 und über 35 Prozent der Anschlüsse als FTTH realisiert sind, sind es in Deutschland erst knapp über ein Prozent.

Quellen und weiterführende Informationen